© 2016 Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V.

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Rechtliche Hinweise

Memorandum

Der Ethikverband der deutschen Wirtschaft e.V. betrachtet Ethik und Moral auch als Machtinstrumente, die man gebrauchen oder miss- brauchen kann. Der Verband schützt Unternehmer/innen, indem er die versteckten Machtstrukturen in ethisch-moralischen Argumenten transparent macht und die Ursachen für ethisch-moralische Machtspiele beschreibt. Wer über keine andere Macht verfügt, bedient sich des moralischen Arguments, um seine Interessen zu sichern. Ethik kann insofern zur institutionellen Rechtfertigung derjenigen werden, denen aus verschiedensten Gründen der Zugang zu Glücksgütern und Privilegien, zu Macht, Wohlstand und Reichtum schwerer fällt als anderen.

Es ist gerechtfertigt, dass den Menschen, denen von Natur aus weniger Chancen zukommen, zusätzliche Chancen eingeräumt werden. Es ist aber ebenso natürlich, dass das ethisch-moralische Argument die Schwäche der Betroffenen als eine Stärke ausweisen muss, um wirksam zu werden. Aus diesem Grund können ethisch-moralische Systeme sich niemals selbst als Machtinstrumente ausweisen. Sie müssen vielmehr stets die falsche Auffassung vertreten, dass man das Gute tue, weil es das Gute sei, und nicht deswegen, weil es nützlich ist.

Mit der Verwandlung von individuellen oder gesellschaftlichen Interessen in das Gefühl einer allgemeinen Pflicht, entsteht eine zweite Ethik neben derjenigen, deren Ziel es ist, die sozialen Verhältnisse in der Gesellschaft zu stabilisieren und die Ungleichheit in den Chancen zu verkleinern. Eine Ethik in der Wirtschaft kann jedoch – anders als in Ideologien und akademischen Ethiken – nur mit dem Ziel etabliert werden, einen sozialen Nutzen zu erzielen. Ethik um der Ethik willen würde die Akteure der Wirtschaft zu interesselosen Systemagenten umerziehen, von denen weder ein Beitrag zur Innovation noch zur Produktion und zum Zuwachs an Wohlstand zu erwarten wäre. Selbst wenn es möglich wäre, eine absolute Ethik gleich einem Glaubensbekenntnis einzufordern, dürften wir nicht hoffen, dass damit der Anspruch des Ethisch-Moralischen zu erfüllen sei.

In unserer Gesellschaft herrscht jedoch nicht die Auffassung einer Zweiteilung der Ethik – nämlich in den Bereich der Forderung nach einem absoluten Guten und in den Bereich einer Forderung nach Verantwortung für die Folgen wirtschaftlichen Entscheidens und Han- delns. Vielmehr herrscht die Zweiteilung, dass man sich entweder für Wirtschaft oder für Ethik zu entscheiden habe. Letztere führt gerade zu dem allenthalben zu beobachtenden Kampf zwischen Wirtschaft und Ethik.

Der Ethikverband der deutschen Wirtschaft e.V. warnt die Teilnehmer am wirtschaftlichen Prozess vor dem Missbrauch unserer Moralen und bildet ein Bewusstsein für die ambivalente Natur des Ethischen aus. Er dient dadurch dem gesellschaftlich nützlichen Ziel, dass durch ein eng gefasstes ökonomisches Kalkül soziale Schäden entstehen, an denen die Teilnehmer der Wirtschaft selbst nicht interessiert sein können. Hierdurch gewinnen die Akteure der Wirtschaft das Bewusstsein, sich selbst in den Aufbau der Moralen und Ethiken einbringen zu müssen. Sie wirken dadurch dem Ungleichgewicht entgegen, dass Ethik in abstrakten Denkprozessen erzeugt und anschließend die realen Verhältnisse an die Idee angepasst werden sollen. Vielmehr hält sie solchen Interessen das rational und sozial begründete Interesse einer Ethik der Wirtschaft entgegen, die ihre Entscheidungen auf den zu erwartenden Erfolg in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht gründen muss.

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün