+++ Samstag, den 16. Oktober 2010 in der Stadthalle Balingen: Denkanstöße 2010 “Ethik, Moral und Neue Werte in Wirtschaft und Gesellschaft“ +++
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24.02.2010 - Der ethische Kompass
Ethisches Missverständnis: Elitedenken ist unsozial
Ich gebe es zu: Ich kann bestimmte Dinge besser als andere. Ich spiele besser Schach als mein bester Freund, ich kann schneller laufen als viele Menschen in meinem Alter, ich kann noch richtig kopfrechnen ohne Taschenrechner. Sie können mit Sicherheit Ähnliches über sich berichten. Und das ist wunderbar. Wir sind oft besser als andere, erfolgreicher, weil stärker trainiert, intensiver geschult. Aber wir wollen um Gottes Willen keine Elite sein. Elite wird gleichgesetzt mit elitär und elitär heißt nicht selten selbstherrlich, überheblich, abgehoben. Das klingt nach Klassengesellschaft, nach einseitiger Bevorteilung. Mit der eigentlichen Bedeutung von Elite hat das nichts zu tun. Eliten sind nicht unsozial, sondern gut für uns alle. Wir brauchen Eliten.
Ich fordere daher ein neues Elitebewusstsein. Ich fordere ein Elitedenken, das frei ist von irrationalen Vorbehalten. Denn an Eliten ist per se nichts Schlechtes. Allerdings gibt es Menschen, die sich für eine Elite halten, obwohl sie keine sind. Das sind die ideologischen Eliten oder die Herkunftseliten. Sie meinen, nur weil sie einer bestimmten sozialen Gruppe angehören, eine bestimmte Weltsicht vertreten, seien sie etwas Besseres. Manche meinen gar, sie seien ein besonderes Volk oder eine Art von Supermenschen, für die andere Maßstäbe gelten, als für den irdischen Rest.
Das ist so eitel wie dumm. Denn die Zugehörigkeit zu einem Volk, einer Kaste, einer Berufsgruppe ist keine besondere Tat, sondern allenfalls ein Wert. Ganz sicher ist die Zugehörigkeit zu einer Familie kein Verdienst, sondern Zufall. Eliten aber definieren sich einzig und allein aus Fähigkeiten. Es geht also nicht um selbsternannte Pseudo- Eliten, die den Nachweis ihrer Exzellenz schuldig bleiben. Es geht um die echten Leistungseliten, auf deren Fähigkeiten wir angewiesen sind: die Experten.
Experten sind Menschen, die über qualitativ besseres Wissen oder Können verfügen. In einer Sache besser zu sein ist etwas ganz anderes, als sich für besser zu halten. Würden wir genauer zwischen ideologischer und tatsächlicher Elite unterscheiden, dann könnten wir uns wieder dem sinnvollen, für Wirtschaft, Politik und Kultur förderlichen Bewusstsein für Exzellenz und Spitzenleistung widmen.
In all diesen Bereichen fehlen uns mittlerweile Eliten. Weil wir sie nicht fördern, sondern diffamieren. Gleichzeitig glauben 16 Prozent aller Deutschen, die Sonne drehe sich um die Erde. Und so werden wir immer dümmer, wie Studien uns nicht erst seit PISA bestätigen. Und wir sind immer weniger daran interessiert, alle Kräfte für die persönliche Entwicklung einzusetzen. In der Wirtschaft ist es ähnlich. Wie wenig elitebewusst wir sind, zeigt sich unter anderem im Absinken des Wirtschaftsstandorts Deutschland im internationalen Vergleich.
Wer ein Klima fördert, in dem eine Spitzenleistung nicht gewürdigt, sondern diffamiert wird, der nimmt sinkende Produktivität und schwindende internationale Bedeutung in Kauf. Wir schaden uns damit letztlich selbst. Weil wir nicht anerkennen, wenn Menschen etwas besser können als wir selbst, weil wir außergewöhnliche Leistungen gerne schlechtmachen, bleiben die auf der Strecke, die einmal Deutschland mit Spitzenleistungen voranbringen sollen. Das ist unsozial. Wir fördern nicht die Schlauen, Klugen, Begabten, damit sie noch schlauer, klüger werden, nein, wir fördern stattdessen die Dummen, die Unbegabten. Ich habe nichts gegen das Fördern von Schwächeren, bestimmt nicht, ich habe etwas gegen das „Stattdessen“.
Das Mittelmaß setzt sich durch. Heute kann man fast schon behaupten: „Um erfolgreich zu sein, bin ich nicht mittelmäßig genug.“ Hören wir auf damit! Hören wir auf mit der neidgeprägten Gleichmacherei! Sie ist der Tod der herausragenden Leistung. Und so fordere ich noch einmal: Wir sollten Elite wieder belohnen, das Bewusstsein für Leistungselite wieder fördern. So haben wir die Chance, statt Durchschnitt wieder Außergewöhnliches zu zeigen.